Hochedel, gestrenger Herr Ambassadeur, hochgeehrter Herr,
In dem Königreich Pohlen ist von newern grosser Schrecken, dieweiln der Grosstürck2 auss Ursach, dass die zaporowskische Cosacken ihm uff der Schwartzen See
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eingefallen undt grossen Schaden gethan, den alberaits von Constantinopel mit Fried undt allem Contentement abgefertigt- undt verraissten polnischen Ambassadeur3 mit Gewallt wieder zurückhohlen, in Gefängnuss legen undt viel taussendt Tartaren in Pohlen zu rauben, brennen undt morden gehen lassen.Die Differentz in der Wilde wegen der Religion wehret noch.
Der Feind in der Schlesie hatt sich bey Liegnitz movirt, mann weiss aber noch nicht wohin; bey dessen Armee seind zwischen Generals undt Officiers grosse Differentien undt wollen sich diese von jenem nicht commendiren lassen, dass es alsso einer Meutenation nit ohngleich siehet.
Die in Cüstrin haben einen Aussfall gethan undt im Sternbergischen etzliche offne Flecken undt Dörffer aussgeplündert. Piccolomini4 war über den Thüringer Wald gangen undt biss Vach kommen; weiln die Unssrigen aber sich auch zusammengethan, soll er wieder zurück nach Francken gangen sein. Sonsten wirdt in kurzem eine Zusammenkunfft unssrer alliirten Kriegsgeneralität zu Witzhaussen beschehen umb daselbsten nöthige Deliberation zu pflegen.
Der König von Dennemarck undt Hertzog von Hollstein5 haben uff begehren dess Churfürsten von Sachsen6 ein Abmahnungsschreiben an Hertzog Georgen7 abgehen lassen, mit dem Anfang, dass, da Ihre frl. Gn. dero Trouppen avocirten, sie in keysserlicher Hulde verbleiben würden, wolten sie dessen versichern; daruff soll aber noch keine Antwort erfolgt sein.
Unssre Rheuterey logirt aniezo uff dem Eichsfeld, undt scheint, dass Hatzfeld8 ein Corpus am Rhein formiren undt uff den Hertzog von Newburg9 angehen werde.
Christian Ulrich10 hatt in Dennemarck 500 Pferde erkauffen lassen, welche er alle alhier beritten machen will.
Graff Pentz11 soll von einem hollsteinischen Bawren einen tödtlichen Schuss bekommen haben.
Ich verbleibe hiermit allzeit
Ew. Excell.ce gehorsamber Knecht
G. Keller mp.a
Hambourg, den 21. Iulli 1640.
Onder aan de brief staat: H. Amb. Grotius.
Boven aan de brief schreef Grotius: Rec. 21 Aug.